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Die Einschläge kommen näher. | Mein Alltag zwischen Normal und "Echt jetzt?"

Corona? Ach klar, da war ja was. Meine anfängliche, starke Verunsicherung ist einer moderaten, schnell aus dem Tritt zu bringenden, Gleichgültigkeit gewichen. Ich versuche meinen Alltag so entspannt wie möglich zu gestalten. Meine Maske hab' ich immer dabei und mittlerweile war ich sogar mal Bummeln und in einem Restaurant – allerdings nur im Außenbereich. All das immer sehr vorsichtig aber trotzdem auch mit einer kleinen Portion Freude. Man könne sagen ich hab' mich arrangiert. Die Phase der totalen Informationsaufnahme gepaart mit dem unguten Gefühl überhaupt das Haus zu verlassen liegt hinter mir.


Willkommen in der rosaroten Sicherheitsblase!

Den NDR Podcast mit Christian Drosten höre ich immer noch, aber das dauernde Schielen auf die neusten Infektionszahlen hab' ich mir abgewöhnt. Die ständig wieder aufploppenden Hot Spots in der Umgebung jagen mir einen leichten Schauer über den Rücken, mehr aber nicht. Ich wohne in meiner kleinen Welt und hoffe, dass kein Virus mit seinen Stacheln meinen rosa Luftballon aufsticht und damit meine luftige Sicherheitsblase zum Platzen bringt.

Ich befürchte allerdings, es wird nicht mehr allzu lang dauern. Die Einschläge kommen näher und das schnell. Ein Kollege der in Quaratäne muss… eine Freundin deren Sohn einen Covid Fall in seiner Sportmannschaft hat. Die Bedrohung wird wesentlich realer als sie es noch vor einigen Wochen war. Trotzdem ist mein Paniklevel gesunken. Ich schieb' es auf das was ich "persönliche Coronagewöhnung" nenne.


Die Einschläge rücken näher

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Wären diese Einschläge zu Anfang der Krise gekommen, ich wäre total durchgedreht. Jetzt beschränkt sich mein Durchdrehen auf ca. eine halbe Stunde und wird dann zuverlässig abgelöst von "Ach, wird schon, mach' Dir mal nicht zu viele Sorgen!" Ein Mantra, das ich mir immer wieder vorbete und das mich trotzdem nicht gänzlich beruhigen mag.

Was mich ängstigt und vor allem ärgert ist die Sorglosigkeit vieler Menschen, die ich immer wieder sehe. Oft gemeinsam mit einer Rücksichtslosigkeit am Start, die mich stellenweise sprachlos macht. Je mehr wir über diese heimtückische Krankheit herausfinden, desto vorsichtiger müssten die Menschen doch werden, oder? 


Lies mehr!
DER ERSTE TEIL DES CORONA TAGEBUCHS
Willkommen in der Stille!


Mittlerweile sollte der Letzte begriffen haben, dass dieser Virus unseren Körper wesentlich stärker angreift und zerstört als wir und sogar die Virologen es zu Anfang dachten. Niere, Herz, Lunge… das Virus ist ein "Andockkünstler" und beschränkt sich nicht auf ein Organ.


Egoismus und Rücksichtslosigkeit!

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Pah, egal, die Sorglosigkeit hat Einzug gehalten und genau das wirft mich in meinem Corona-Umgang immer wieder zurück.
Wenn ich unterwegs bin, beschleicht mich das Gefühl, ich muss für die anderen mitdenken, weil es ihnen gleichgültig ist, ob sie mit ihrem Verhalten jemandem Schaden zufügen. Wenn ich durch die Stadt gehe, scheint es mir ein bisschen so, als ob das Virus unserer Gesellschaft einen Spiegel vorhält und wir darin die miese Fratze des Egoismus und der Rücksichtslosigkeit sehen.

Der Gipfel dieser Verrohung zeigt sich dann in Ausbrüchen wie in Stuttgart. Leider begegnet mir auch hier auf dem Land immer häufiger egoistische Gleichgültigkeit. "Abstand wozu denn? Maske, warum denn, es ist doch so warm…" In diesen Situationen muss ich mir Gehör verschaffen. Das ist sonst gar nicht meine Art. Ich bitte resolut um mehr Abstand… oder ist es Anstand?

Klare Worte, die ich früher nicht so einfach über die Lippen bekommen hätte. Ich trete ein für mich und für Schwächere und das ist im Moment das Einzige, was ich der Coronakrise Positives abgewinnen kann.

"An den Fenstern klatscht
schon lang keiner mehr."

Das Gemeinschaftsgefühl der Anfangszeit ist verschwunden, oder zumindest deutlich geschrumpft. Die Lockerungen haben, warum auch immer, dafür gesorgt, dass die Menschen sich in großen Teilen so verhalten, als hätte es den Lockdown und Corona gar nicht gegeben. Kaum einer fragt noch nach dem Sinn dieser Maßnahmen. Je nach Vorliebe innerhalb der eigenen Freizeitgestaltung geht's jetzt nur darum wann die persönliche Comfortzone endlich wieder verfügbar ist.

Und wer dachte, dass sich, im Zuge von Corona, vielleicht mehr Sensibilität für einen bewussteren Urlaub und mehr Achtsamkeit in das Gewissen der tobenden Urlaubsmeute schleicht wird schnell eines Besseren belehrt. Im Fernsehen gab's schon die ersten Ballermann-Urlaubs-Test mit der Headline "Urlaub nach Corona! Schaffen wir es für 500 Euro nach Malle?"

Keine Ahnung ob eine zweite Welle auf uns zurollt. Vielleicht ja, vielleicht nein, ich bin ich aber recht sicher, dass es in Herbst und Winter wieder schlimmer wird und wünsche mir, dass die Menschen bis dahin gelernt haben freudlich, besonnen und aufmerksam miteinander umzugehen. Vermutlich schützt uns das alle am Besten. Alles Liebe für Euch!

Lesetipps & Links! 


Aktuell wieder in der Diskussion!


Ü40 UND DAS WOCHENENDE!
Warum Du, nach Corona, unbedingt Tanzen gehen solltest!

Gedanken von Frauen über 40

Die Frage nach dem Hätte…

"Paradiesvögel fängt man nicht ein…  Sie brauchen den Himmel ganz – ein Stück ist zu klein. … " Diese Zeile ist aus einem alten Song von Silly. Ich lieb' diesen Song sehr, irgend etwas daran hat mich immer total berührt. Tja, aber was wenn der ganze Himmel dann doch viel zu groß ist, oder sich der Paradiesvogel nicht traut zu fliegen…? 

Viele von Euch wissen ja, dass ich auf einem kleinen Dorf lebe. Was meine Art mich zu kleiden angeht, war ich schon immer ein Paradiesvogel hier. Von "Ach die Chrissie ein bisschen verrückt" bis zu "sollen wir mal für ordentlich Klamotten Geld sammeln" hab' ich alle Sprüche gehört.


Vom Landleben und verrückten Vögeln…

Als Teenager und in den Zwanzigern noch mehr als heute – aber aufhören wird das in einem kleinen Dorf nie wirklich… auch nicht mit über 40 ;). In meinen Zwanzigern hatte ich mal eine "Ich geh' lieber schick und ordentlich"-Phase. Nach dem Studium, der erste Job… vielleicht kommt Euch meine Erinnerung bekannt vor… da wollte ich nur eines: Erwachsen wirken. Also rein in die Pumps und ins Kostümchen. 

Zum Glück war diese Phase echt kurz und ich hab' schnell gemerkt, dass büro-optimierte Schicki-Garderobe so gar nicht in meine kleine Paradiesvogelwelt passt. Aber da war noch mehr… es ging nicht nur um die Klamottenwahl. Meine Einstellung zu vielen Themen war und ist ziemlich weit weg von dem, was die meisten hier im Dorf als "üblich" bezeichnen würden. Einen kleinen Einblick darüber hab' ich Euch in meinem Artikel über meine gewollte Kinderlosigkeit gegeben. Über dieses leichte, ländliche Unverständnis in Bezug auf mein Leben kann ich eigentlich super hinweg sehen, ich fühl' mich ja wohl mit mir. Aber die letzten Wochen…


Wenn dann die Zweifel kommen...

Lebenskrise, Frauen über 40

Im Moment läuft es einfach in nicht so rund bei mir – in meinem Job verändert sich grad super viel, der Blog funzt irgendwie nicht so wie ich es mir wünsche und ich frag' mich, was ich vielleicht verändern könnte, komme aber nicht so richtig weiter. Das sind dann auch die Momente in denen ich meine jugendliche Unbeschwertheit, über die ich Euch hier geschrieben hab', so sehr vermisse

Tja und dann kommt sie die fiese Frage in meinem Hinterkopf "Hab ich vielleicht an irgendeinem Punkt in meinem Leben die falsche Entscheidung getroffen?" Vielleicht damals mit 13, als ich mich für den knallroten Lippenstift entschied, statt, wie all meine Freundinnen, für einen schimmernden Labello ;D? Hab' ich was falsch gemacht? Hätte ich irgendwo anders studieren sollen, mal richtig Stadtluft schnuppern? 

Wirklich, eigentlich mag ich meine kleine Landwelt sehr. Die engen Kontakte zu Freunden und Nachbarn. Die Menschen die mich kennen, seit ich ein Windelfratz war – und da gibt's hier echt viele :D. All' das ist mein kleines Paradies! Aber ich kenn' eben auch nichts anderes. Mädels? Hab' ich eine Midlife-Krise oder sind es aktuell einfach nur zu viele Baustellen in meinem Leben, die mich so unsicher werden lassen? Mit Ü40 sollte ich doch eigentlich genau das nicht sein? 

"Meine Vierziger – Das sind doch die Jahre, in denen ich
endlich 
wissen sollte was ich will.
Wo ich angekommen sein sollte und gefestigt. "


Auf der Suche nach meinem Stück vom Himmel…

Sorry Mädels, das passt bei mir grad gar nicht. Wisst Ihr, manchmal, da flieg ich ein bisschen in den großen, weiten Himmel, der meiner sein könnte. Dann schau' ich mir die Welt von oben an und seh', dass es noch so viel mehr zu entdecken gäbe … und wenn ich dann noch den ein oder anderen Paradiesvogel dort oben treffe, der mir von seiner bunten Welt erzählt, dann überleg' ich, ob es nicht doch besser wäre ein wenig weiter weg zu fliegen um zu sehen was es noch für Paradiese zu entdecken gibt… ich glaub ich muss mal wieder meinen alten, roten Lippenstift suchen…

Kennt Ihr solche Gedanken auch und wie geht Ihr damit um?

Mal schauen wohin meine Reise geht… ich nehm' Euch mit.
Eure Chrissie
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