Mittwoch

Mein Corona-Tagebuch Teil 1 | Willkommen in der Stille.

Alltag-Corona-Artikel

… und wie geht's Dir so? Mein Alltag in der Krise.

Mich hat es noch nicht hart getroffen. Weder körperlich noch wirtschaftlich – aber meine Seele leidet. Angst und Sorge haben sich tief in mich gefressen und wüten unablässig in meiner sonst so unbeschwerten Lebensfreude.  

Sie sind die besten Kumpels von Corona und gehen dabei ganz ähnlich vor wie der Virus selbst, sie infizieren uns! In schlimmen Fällen ist der alte Scherge Panik noch mit von der Partie – und glaubt mir, die drei interessiert das Versammlungsverbot von mehr als zwei Leuten einen Scheiß!


Persönliches Erleben – Die Phasen einer Krise.

Neulich sah ich im Fernsehen, in einer der Talkshows, die uns jetzt in immer gleicher, montoner Dauerschleife durch den TV-Abend begleiten, eine Psychologin. Sie beschrieb die einzelnen Phasen die viele von uns in einer Krise durchleben.

"Ich weiß nicht mehr wie viele Phasen es gibt, aber auf jeden Fall hab' ich die ersten hinter mir und verspüre zumindest wieder etwas Lust auf das "normale" Leben." 

Die vielen Sorgen bleiben dennoch. Die Sorge um die Gesundheit meiner Mama, meiner Freunde und meiner Familie, die Sorge um meinen Job und die wirtschaftlichen Folgen, die Sorge um meine Kollegen für die jetzt Kurzarbeit ansteht (für mich dann auch – und ich bin im Betriebsrat und muss deswegen mitentscheiden – keine schöne Aufgabe, das könnt Ihr mir glauben).


Von Planung und Leichtsinn!

Corona-Keine-Zeit-fuer-Plaene
Pläne machen in Corona Zeiten? Erst mal auf Pause!
Nichts mehr planen. – Mein Leben im Moment. Wenn's nicht so krass wäre, könnte das fast der Titel für einen dieser launigen Lebensratgeber sein. In der Nachbetrachtung der letzten Wochen bin ich fast schockiert darüber, wie leichtsinnig ich am Anfang war. In der zweiten Märzwoche war ich noch für mehrere Tage auf einem Betriebsrat-Seminar, besuchte die Körperwelten-Ausstellung und shoppte mich entspannt durchs Einkaufszentrum.

Obwohl ich schon da die Hygiene Maßnahmen viel, viel ernster nahm als mein Umfeld, empfinde ich mich selbst im Rückblick als unfassbar sorglos. Irgendwann wurde tatsächlich sehr schnell klar, dass das, was auf der Welt passiert keine Sorglosigkeit mehr zulies.


Kontollverlust für Anfänger!

Totaler Rückzug war meine Antwort auf die ersten Wochen dieser globalen Katastrophe. Für mich als kleinen Kontrollfreak bedeutete das: Input sammeln ohne Ende. Selbst vor der Lektüre medizinischer Fachstudien bin ich nicht zurückgeschreckt. Mittlerweile höre ich die Updates des RKI, den Postcast von Christian Drosten und garniere meine Inputtorte hier und da noch mit einer Reportkirsche der offentlich-rechtlichen Medien.  

Mit dem totalen Kontrollverlust über das Leben musste ich mich ganz ganz langsam anfreunden. Hat noch nicht so gut geklappt… aber ich arbeite dran. Was mir total fehlt ist der enge Kontakt zu meinen Freundinnen. Die ersten Wochenenden waren geprägt von gemeinsamen Videoanrufen und Gesprächen am Fenster – "fensterln" nennt meine Freundin das :).

Mittlerweile ist der Ausnahmezustand ein Stück weit normal geworden. Für mich wird der nächste Break sicher die Kurzarbeit sein. Meine aktuellen Projekte werde ich in den kommenden Tagen noch abschließen, aber dann wird dieser Tag kommen. 


Single in Zeiten der Krise – Fluch oder Segen?

Single-Leben-Corona
Single sein in Zeiten von Corona.
Ich bin mir noch nicht sicher – ist Single sein in diesen Tagen Fluch oder Segen?

Mir fehlt es in den Arm genommen zu werden und mir fehlt jemand,
der mir am Abend vor dem Einschlafen sagt: "Alles wird gut, Liebling!"  

Ich will gemeinsame "Traum"-Reisen planen und mich mit jemandem auf die Zeit nach der Krise freuen.

Wenn ich dann Geschichten von Kollegen höre, die, trotzdem sie noch arbeiten, in der Beziehung schon der Lagerkoller erwischt hat. Die Stories von Streit und Unfrieden Zuhause oder die Probleme von Freunden mit Kindern, die mit der Betreuungs-Situation total überfordert sind, dann schleicht sich hin und wieder auch der Gedanke ein, dass es gar nicht so schlecht ist, dass ich am Abend die Türe hinter mir zu machen kann – und nur hinter mir. Mein Fazit: Mal so mal so würde ich sagen :).


Ein Hoch auf das Landleben!

Corona-Leben-auf-dem-Land
Corona auf dem Land – Ich bin froh hier zu leben.
Über einen Umstand freue ich mich aktuell definitiv noch mehr als sonst. Ich bin wahnsinnig dankbar auf dem Land zu leben. Wenn ich aus meiner Haustüre gehe, stehe ich im Feld. Das tolle Wetter im Moment lässt mich zuversichtlicher werden und ich liebe es draußen zu sein und tief durchzuatmen. Dann sind sie zum Greifen nah, diese kostbaren Momente in denen ich Corona und die Krise fast vergessen kann… 

Klar, auch hier haben wir die ersten Corona-Fälle , der Landkreis in dem ich lebe ist einer der meistbetroffenden in Hessen, trotzdem kann ich mich immer noch relativ frei bewegen und das ist im Moment so wahnsinnig viel wert. Ich muss nicht ins Auto steigen um in den Wald zu gehen und wenn ich ein bisschen aufpasse kann ich stundenlang draußen umher wandern, ohne dass mir jemand zu nah kommt.


Willkommen in der Stille

Langsam aber sicher wird es still in mir. Das Gefühl alle Nachrichten und Infos in mich aufzusaugen und immer sofort auf dem neusten Stand sein zu müssen ebbt langsam ab. Generell merke ich, dass mein Interesse an Fernsehen und Social-Media-Aktivitäten abnimmt. Gerade letzterem versuche ich aber entgegenzuwirken – mein Blog soll ja trotzdem weitergehen und viele von Euch wissen selbst, dass das ohne Social Media fast unmöglich ist.

Zur Zeit gehe ich deutlich früher als sonst ins Bett und lese statt zu streamen lieber noch in einem Buch… Ich telefoniere, trotz allem, weniger und bin dankbar dafür, dass ich diese komische Stille immer häufiger auch mal genießen kann…

Ich halt' Euch auf dem Laufenden :)
Drück Euch aus der Ferne – Eure Chrissie 
 

Weiterführende Links & Lese-Tipps

Gerade jetzt bin ich froh so entschieden zu haben!

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