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§219a | Werbung für einen Schwangerschaftsabbruch? | Gedanken!


§219 a | Der Kompromiss zum umstrittenen Paragrafen | Ich mache Werbung. Also im echten Leben. Das ist mein Beruf schon viele Jahre lang. Ich hab' schon für Werkzeuge geworben, für Lebensmittel… für Kleidung. Genau genommen eigentlich so ziemlich für die ganze Brandbreite dessen, was unsere konsum-orientierte Gesellschaft so kauft oder kaufen könnte. 

In den vielen Jahren hab' ich auch schon für verschiedenste Dienstleister und Organisationen geworben. Um Unterstützung, um Mitglieder oder um Spenden. Das ist der Sinn von Werbung. Aber was zum Teufel hat das bitte mit Ärzten und Abtreibung zu tun? Kann mir das bitte mal einer erklären? Was ist das für ein Kompromiss? Warum schafft man diesen überflüssigen Paragraf nicht endlich ab?

Nur heute: 20% auf alle Schwangerschaftsabbrüche

Glauben die Damen und Herren (– der Witz des Jahrhunderts ohnehin!!), vermehrt die der CDU/CSU tatsächlich, dass nach einer so überfälligen Abschaffung des Paragrafen 219a plötzlich unsere hiesigen Gynäkologen ordentlich die Werbetrommel rühren? "Nur heute: 20% auf alle Schwangerschaftsabbrüche?" "Wir lieben Abtreibung!" "Nutzen Sie unsere Bonuskarte Abtreibung!! Nach jedem zehnten Abbruch gibt's einen umsonst – Aber Achtung die Bonuskarte ist nicht auf andere Mädels übertragbar!"

Eine Abtreibung ist kein Produkt

Abgesehen davon, dass für den werblichen Auftritt von Ärzten extrem strenge Regeln gelten, ist diese Begrifflichkeit echt ein Witz! Es geht um Information und darum dass uns unsere Frauenärzte darüber INFORMIEREN dürfen wie und was genau da passiert und dass sie solche Eingriffe durchführen. Nicht mehr und nicht weniger. Das es bei solch einer schwerwiegenden Entscheidung nicht um einen Kühlschrank geht ist jeder betroffenen Frau klar, da bin ich mir ganz sicher!

Gerade in unserer deutschen Gesellschaft ist das Thema Mutterschaft mehr als überbefrachtet mit Emotioen, Erwartungshaltungen und Druck. Ich sag' nur "Rabenmutter" und mehr als dürftige Kinderbetreuungsangebote in zahlreichen Gemeinden und Städten, die einzig darauf basieren, dass Kinderbetreuung immer noch familien– nein, Muttersache ist. Meine Erfahrungen mit einer gewollten Kinderlosigkeit hab' ich Euch ja auch schon geschildert. 

Ich weiß gar nicht, was mich an dieser ganzen Diskussion mehr aufregt, dass den Frauen unterstellt wird leichtfertig abzutreiben. Dass den Ärzten unterstellt wird, sie würden für Abtreibungen werben? Das es wieder ganz maßgeblich Männer sind die darüber entscheiden… Jeder einzelne dieser Punkte und alle zusammen sind einfach ein Unding.

Unterstützung statt Verurteilung

Es ist so wichtig, dass Frauen in dieser schweren Situation unterstützt werden und sich dort Hilfe holen können wo sie sich wohl fühlen. Mich erschreckt es immer wieder, wie sehr unsere ach so aufgeklärte Gesellschaft teilweise an Dogmen festhält, die aus einer anderen Zeit und eigentlich wie aus einer anderen Welt scheinen… und es macht mich traurig. Traurig, weil Frauen wie die mutige Ärztin Kristina Hänel als kriminell abgestempelt werden. Sie musste ja sogar eine Verurteilung hinnehmen. 

Wie seht Ihr das? Regt Euch diese Vorverurteilung 
und diese Begrifflichkeit auch so auf wie mich?

GLG Eure Chrissie
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Kommentare

  1. Ich stimme Dir völlig zu. Abtreibungen dürfen eh nur unter bestimmten Bedingungen durchgeführt werden und ich finde es elementar, dass Ärtze darüber informieren dürfen müssen und auch dass Frauen auf dem Weg den passenden Arzt finden können. An der Zahl der Abtreibungen wird das nichts ändern. Ein Gesetz, dass unglaublich überholt ist.

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    1. Liebe Ines, und was mich daran auch total nervt ist, dass viele das mit einer Abtreibung gleichsetzen und überhaupt nicht reflektieren, dass es hier, genau wie Du schreibst um Information geht!! GLG Chrissie

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  2. Danke liebe Chrissie,
    dass Du Deine Meinung öffentlich machst. Ich predige immer: Informiert Euch über den Arzt, bevor Ihr zu einer Faltenunterspritzung geht. FIRST WORLD PROBLEM!

    Wie vieiel drastischer ist doch dieses Thema! Denn wie und soll sich eine Frau informieren, die sich (aus welchen Gründen auch immer - das ist ganz alleine ihre Entscheidung) für einen Abbruch entscheidet? Alles läuft heute über das Internet und die erste Recherche anonym zu führen, ist doch auch viel einfacher, als zu einem Gyn zu laufen und dort gleich mit Argumenten bombardiert zu werden.

    Ich war 17 als ich vor dieser Frage stand. Und mein großes Glück war, dass es in einem anderen, längst untergegangenen Land war. Damals konnte ich ganz alleine entscheiden. Es ging nur darum, was ich will.
    Mich hat niemand zu irgendetwas gedrängt oder mit mir diskutiert. Ich wurde volljährig am Tag des Eingriffs und bereue bis heute nichts.

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    1. Ach Du Liebe, ich finde es toll, dass Du hier so offen Stellung beziehst. Danke dafür! Ich finde auch, dass sich die Mädels erst einmal dort informieren sollten wo sie möchten und sich sicher fühlen. Ich finde, das einzige das geprüft werden sollte ist der korrekte Inhalt dieser Informationen. Drück Dich Chrissie

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  3. Danke für deinen tollen Beitrag, der hoffentlich ganz viele Menschen zum Nachdenken anregt! Es werden jährlich so viele tausend Euro für gesundheitliche Aufklärung ausgegeben und immer darauf gepocht, aber wenn es um wirklich wichtige Themen geht schrecken alle zurück aus Angst vor engstirnigen Meinungen :(

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